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11.05.2017 -

Wirtschaft 4.0 als Chance für kreatives Unternehmertum

Einleitung

Das Label 4.0 wird mittlerweile vielerlei Welten plakativ verpasst: Industrie 4.0, Wirtschaft 4.0, Mittelstand 4.0, Arbeit 4.0., Bildung 4.0, Mitarbeiter 4.0, Bauen 4.0, sogar Armut 4.0. Das sorgt nicht nur zuweilen für eine ärgerliche Begriffs-Verwirrung. Es verschleiert gleichzeitig auch, welche konkreten unternehmerischen Chancen sich hinter dieser 4.0-Formel verbergen. Das gilt beispielsweise auch für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Gibt es eine KKW 4.0? Antwort: Ja. Aber: Die technische 4.0-Welt stößt irgendwann an die Grenzen der menschlichen Kreativität.

Eingeführt wurde das Label 4.0 von der Bundesregierung: als Marketing-Kreation im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung und der deutschen Industrie. Die Bezeichnung 4.0 soll zum Ausdruck bringen, dass es sich bei dieser Entwicklung um eine neue (die vierte) industrielle Revolution handelt. Die erste löste die Dampfmaschine im 19. Jahrhundert aus, die zweite begann mit dem massenhaften Einsatz von Fließbändern in Fabriken zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die dritte, die digitale Revolution kurz nach der Jahrtausendwende, bezieht sich auf den Einsatz vom Computern und Informationstechnologien (IT). Sie wurde möglich durch die Erfindung des Mikrochips. 

Industrie 4.0

Hier hält das 4.0-Label, was es verspricht. Von Industrie 4.0 spricht man, wenn alle Stationen eines industriellen Produktionsprozesses durch digitale Technologien so weit wie möglich miteinander verknüpft sind. In der intelligenten Fabrik sind die Maschinen, Anlagen, Bauteile, elektronische Lagersysteme oder vorhandenen Transporteinheiten eigenständige und intelligente Funktionsträger, die miteinander vernetzt sind, kommunizieren und selbständig Aufträge durch die gesamte Wertschöpfungskette steuern. Die beteiligten Maschinen und Apparaturen tauschen dabei über Schnittstellen eine Fülle von Daten aus. Eigene Identität erhalten sie z.B. durch maschinenlesbare Codes (Barcode, EAN, QR-Code) oder durch Kleinstcomputer (RFID-Transponder) und Sensoren. Mit Hilfe dieser Sensoren analysieren sie ihre Umwelt oder werden damit wahrgenommen. Ergebnis: Anlagen können selbständig die Herstellung eines Autos koordinieren, fahrerlose Transportfahrzeuge eigenständig Transportaufträge erledigen oder eine Maschine von sich aus ihre Reparatur veranlassen. 

Wirtschaft 4.0

Mit den unternehmerischen Wirtschaft-4.0-Anwendungen sind darüber hinaus die Digitalisierung und Vernetzung aller Branchen gemeint: von der Industrie über Handwerk und Handel bis hin zu Dienstleistungen und der Informations-, Kommunikations- und Datenwirtschaft (IKT). Wobei es sich hier in der Praxis in vielen Fälle "nur" um eine hochentwickelte Form des E-Business per Internet handelt: beispielsweise beim Einkauf auf Beschaffungsplattformen, auf denen Unternehmen benötigte Waren in einem elektronischen System "ausschreiben" und Lieferanten Angebote automatisiert abgeben können. Oder beim Verkauf von Waren über Online-Shops, die alle Abläufe wie z.B. Bestellung, Lagerverwaltung, Vertrieb, Rechnungsstellung, Order an Lieferanten für Nachbestellungen, Kundeninformation usw. "verdrahten" und automatisieren.

Für Kreativschaffende nehme die 4.0-Welt beim Coworking erste konkrete Formen an, sagt Jonas Lindemann. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer vom Hafven. einem Coworking Space in Hannover. "Das Konzept Coworking gibt es ja schon eine ganze Weile. Den Weg dafür bereitet hat die Digitalisierung. Vor vielleicht zehn Jahren kam das Thema "Virtual Enterprise", also das virtuelle Unternehmen, auf. Als wir mit Hafven angefangen haben, gab es dafür allerdings noch nicht dieses Label 4.0. Da musste man potenziellen Coworkern noch ganz schlicht erklären, dass man kein eigenes Büro braucht, weil man seine Büro-Infrastruktur problemlos in Form seines Laptops mit sich herumtragen und überall zum Einsatz bringen kann. Möglich macht das die Digitalisierung von Kommunikation, aber auch die Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Damit gemeint sind all diese Dinge, die wir heute so selbstverständlich nutzen: E-Mail, Dokumentenablage in der Cloud und so weiter."

Ob E-Mail, Dokumentenablage in der Cloud, Online-Marketing und vieles mehr: unternehmerische Chancen, soweit das Internet reicht. Dieser Ansicht ist auch Paula Schwarz, Fellow des Kompetenzzentrums der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung. Sie unterstützt mit ihrer Firma die Gründung von Sozialunternehmen und macht sich dabei die Möglichkeiten der digitalen Zusammenarbeit zunutze. "Die digitale Welt, in der wir alle leben, ist quasi ein modernes Ökosystem der Möglichkeiten. Und diese Möglichkeiten kann man nicht nur nutzen. Man muss sie nutzen. Die viralen Effekte, also dieser Multiplikationseffekt in den sozialen Netzwerken, der dadurch entsteht, dass viele Leute miteinander in Verbindung treten können und sich Produkte oder Events gegenseitig empfehlen, kann man auf traditionelleren Wegen kaum erreichen. Und was speziell die Kreativschaffenden angeht: Sie können ganz neue Einsatzfelder für digitalisierte oder digitalisierbare Anwendungen schaffen. Das ist das, was ich tue." 

In digitalen Komponenten denken

Dabei geht es durchaus auch eine Nummer kleiner. "Jeder Selbständige und jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, in diesen digitalen Komponenten zu denken", sagt Prof. Dr. Christoph Ihl, Direktor des Gründerzentrums der TUHH "Startup Dock - Center for Innovation & Entrepreneurship" sowie Leiter des Instituts für Unternehmertum an der TU Hamburg. So gebe es heutzutage beispielsweise Tools, mit denen man ohne großen Aufwand Webseiten bauen könne, um seine Produkte zu vermarkten. "Online-Werbung für ein Produkt, die früher nur mit Unterstützung von IT-Experten möglich war, ist heute automatisiert und kinderleicht. Jeder kann Online-Werbung machen. Und auch für den Vertrieb eines Produktes gibt es mittlerweile digitalisierte Tools, die so nutzerfreundlich sind, dass ich keine spezielle Ausbildung mehr brauche, um meine Produkte auf Marktplätzen im Internet zu vertreiben." 

Maßgeschneiderte Angebote

Der digitale Kontakt zum Kunden wirkt sich dabei für Kreativschaffende nicht allein auf die Zahl verkaufter Produkte aus, sondern möglicherweise auch auf die Produkte selbst. So lassen sich beim Online-Kontakt Informationen zu Kunden und Kundenwünschen sammeln und auswerten oder auch Kundenbefragungen oder Produkttests durchführen. Das Ergebnis können angepasste oder ganz und gar maßgeschneiderte Angebote sein, beispielsweise Kleidungs- oder Möbelstücke. 

Neue Kunden erschließen

Darüber hinaus bietet der digitale Weg in die Welt für Kreative die große Chance, neue Kundengruppen erschließen. "Nehmen wir beispielsweise die Musikwirtschaft, die darstellenden Künste und die Software- und Games-Industrie. Das sind die drei Teilmärkte, in denen Unternehmen am häufigsten neue Kunden durch das Internet und die zunehmende Digitalisierung gewonnen haben", so Prof. Dr. Irene Bertschek vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Wie das funktionieren kann, zeigen zum Beispiel die Musikplattformen, über die Musiker ihre Musik digital vertreiben können und dabei gleichzeitig Kosten für die Tonträger sparen. Manche Unternehmen wie etwa Verlage richten auch eigene Downloadbereiche ein, in denen sie beispielsweise ihre Hörbücher anbieten. Dazu kommen immer mehr Apps und mobile Dienste, insbesondere in der Software- und Games-Industrie, zum Beispiel Benachrichtigungen über Neuerscheinungen oder Spiele, die auch auf Smartphones, Tablets oder Notebooks gespielt werden können." 

Nicht zu vergessen die sozialen Netzwerke, so Prof. Irene Bertschek weiter. Etwa Zwei Drittel der Kultur- und Kreativunternehmen setzten auf Social-Media wie etwa Facebook, Google plus, Twitter und Youtube oder auch auf eigene Blogs. "Besonders weit verbreitet ist die Nutzung in den Teilmärkten für Musik, Film, Rundfunk und darstellende Künste, und zwar vor allem für Werbe- und Vermarktungszwecke. Man bietet Informationen an, beispielsweise Fotos von einer Vernissage, den Bericht über die Arbeitsfortschritte bei einem neuen Film oder Downloads von Theater- oder Konzertmitschnitten. Und animiert die Nutzer darüber zur Kommunikation und Interaktion." 

Crowdfunding

Genau das tun übrigens auch Crowdfunding-Plattformen, wenn auch auf andere Art und Weise. Auf diesen Plattformen können Gründerinnen und Gründer, aber auch expandierende Unternehmen ihre Projekte vorstellen und um finanzielle Unterstützung werben. Der digitale Weg macht etwas möglich, was noch vor kurzem undenkbar war: Das Geld für ein Projekt oder eine Unternehmensgründung kommt nicht mehr nur von einer Hausbank, sondern von einer Vielzahl von Geldgebern (=Crowd), die das Internet zusammenführt, um einer Idee, die sie alle für unterstützenwert halten, auf die Sprünge zu helfen.

Digitale Kommunikation und Kooperation sollte dabei noch mehr sein als eine ökonomische Marktchance, findet Paula Schwarz. "Ich meine die Sharing Economy. Die nutzt dieselben digitalen Mechanismen wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Mit dem Unterschied, dass die grenzenlosen digitalen Möglichkeiten der Kommunikation und Kooperation keine Instrumente im Wettbewerb gegeneinander mehr sind, sondern ein Miteinander. Wenn zum Beispiel größere Firmen für einen guten Zweck Ressourcen teilen. So wie in unserem Fall, in dem Google das Marketing und Facebook sein Netzwerk für unser Migration Hub, einem Hilfsprojekt für Migranten in Griechenland, zur Verfügung gestellt hat. Das funktioniert natürlich erst dann, wenn man es will. Aber es ist auch nur machbar, weil die Digitalisierung es möglich macht." 

Das Prinzip der Sharing Economy funktioniert dabei auch im Kleinen, sozusagen für den Hausgebrauch. So gibt es für Kreativschaffende eine ganze Reihe von wertvollen Open-Source-Praxishilfen. Immerhin knapp zwei Drittel der Unternehmen, so das ZEW, nutzen Open Software, freie Texte, Bilder, Musik und Filme. "Die Kultur des Teilens vieler Wissens- und Software-Bestandteile ist dabei einerseits dadurch entstanden und möglich, dass Open-Source-Angebote eben anders monetarisiert werden, beispielsweise durch Werbung", so Prof. Christoph Ihl. "Andererseits stellen aber auch viele Freischaffende, Kulturschaffende ihr Know-how heute um der Sache willen online zur Verfügung, sodass dieses Wissen nicht mehr auf wenige Experten fokussiert ist. Davon profitieren wir alle." 

Wie das aussehen kann, hat Jonas Lindemann in seinem Coworking Space Hafven kürzlich miterlebt. "Das Massachusetts Institute of Technology, das MIT, hat einen Bauplan für eine sogenannte Grow Box als Open Source online gestellt, für ein kleines Gewächshaus, das digital gesteuert funktioniert und zum Anbau von gesünderen Lebensmitteln beitragen soll. Da haben mehrere Leute gesagt: Das interessiert uns. Und die prüfen nun, wie sie diese Grow Box in einem breiten Betrieb einsetzen können."

Eine in der Tat revolutionäre 4.0-Neuheit in der Kreativszene sind die zahlreichen Maker Spaces oder Maker Labs, die beispielsweise von Technischen Hochschulen angeboten werden oder aber auch als clevere Geschäftsideen entstehen. Wie etwa im Fall von Hafven in Hannover, zu dessen Coworking Space auch ein Maker-Space gehört. Dabei handelt es sich hier um eine ganze Reihe von Werkstätten nicht nur für den Prototypenbau, sondern auch um professionelle Holz- und Metallwerkstätten. 

Zum Dreh- und Angelpunkt für den traditionell anspruchsvollen und kostspieligen Prototypenbau haben sich dabei in den letzten Jahren 3-D-Drucker entwickelt. Jonas Lindemann: "Das heißt, ich konstruiere ein Objekt in meinem Computer und drucke das dann mit einem 3-D-Drucker aus. Alternative: Ich schneide es per Laser-Cutter aus Flächen aus und stecke die Einzelteile dann nur noch zusammen." Ein aktuelles Hafven-Produkt, das mit Hilfe eines 3-D-Druckers geschaffen wurde und überregional für Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist ein Payment-Terminal. Mit dessen Hilfe ist es nun möglich, im Handel mit Bitcoins zu bezahlen. "Dieses Terminal wurde in 3-D gedruckt und mit einem Smartphone ausgestattet. Und von der Idee zum Prototypen hat das gerade einmal zwei Monate gedauert."

Vor allem auch diese Geschwindigkeit der Produktentwicklung begeistert Phill Handy. Er ist General Manager der UnternehmerTUM MakerSpace GmbH in Garching bei München. "Anderswo muss man erst eine ganze Ausbildung machen. Bei mir darf jeder, der eine Idee hat, nach drei Stunden Schulung loslegen. Am 3-D-Drucker, dem Sandstrahlgebläse, der Bandsäge aber auch am Schweißautomaten oder der Metalldrehbank." 

Designerschmuck, neue Smartwatches oder Elektroauto-Bauteile sind auf diesem Weg in Garching entstanden: alles am Computer entworfen und 3-D ausgedruckt. Die Maker-Szene, so Phil Handy, stelle damit die bisherigen Entstehungsprozesse von Produkten auf den Kopf. "Gestern noch bestimmte die Industrie, welche Produkte auf den Markt kommen. Heute ist es der Markt selbst, der sagt, was er will. Daraufhin baut der Maker am 3-D-Drucker die ersten Prototypen. Dann erst kommt die Industrie ins Spiel und kauft dem Maker beispielsweise das Patent zur Idee ab. Oder stellt ihn vielleicht ein." 

Das wirklich Entscheidende für die Kreativschaffenden sei dabei nicht die höhere Geschwindigkeit, sagt Prof. Christoph Ihl. "Die Wertschöpfungsstufen, von der Ideengenerierung, der Konzeptentwicklung, über den Prototypenbau bis hin zur Produktion, werden immer billiger und damit sogar auch erschwinglich für Mikrofirmen. Das ist eigentlich das Spannende daran, dass Kreativschaffende eben nicht mehr nur auf die Ideen- und Kreativphase beschränkt sind, sondern ihre Ideen auch umsetzen und wirtschaftlich verwerten können." Damit komme den Kreativschaffenden eine ganz neue Rolle zu, die sie in diesem Entstehungsprozess spielen können. "Der Ideenlieferant wird damit zusätzlich zum Produzenten seiner Ideen."

Ein genauerer Blick auf die heutige Lebens- und Arbeitspraxis in der Kultur- und Kreativwirtschaft, vor allem die dazugehörige Start-up-Szene, offenbart: Die von den 4.0-Beseelten gepriesene Vernetzung findet hier bereits erfolgreich statt. In vielen Fällen allerdings analog, vielleicht bis auf die Ankündigung eines Vernetzungs-Treffens im Internet. "Hier in Hamburg kann man jeden Abend auf ein Netzwerk-Event gehen" berichtet Prof. Christoph Ihl. "Und da trifft man die Freiberufler und die Kulturschaffenden aus Hamburg. Da entsteht viel Neues. Reine digitale Vernetzung ist nämlich nicht ausreichend, sonst würde es diese vielen Netzwerk-Events nicht geben. Es werden im Gegenteil immer mehr. Da müssen die Beteiligten offensichtlich einen Nutzen daraus ziehen, den man rein online nicht erzielen kann."

Welcher Nutzen dies ist, liege auf der Hand. Denn im Grunde lebe auch die persönliche Vernetzung durch den Open-Source-Gedanken. Dahinter stehe die Einsicht, dass man an Wissen gewinnt, wenn man es teilt. "Es wird dadurch nicht weniger, sondern mehr. Hier hat sich die Einstellung vieler Leute geändert. So etwas wie Geheimhaltung oder Vertraulichkeitsvereinbarungen: Das stammt eher aus einem industriellen Kontext, wo Forschung aus Angst vor Ideenklau hinter Labormauern stattfindet. Heutzutage geht es, gerade bei den Kreativen, eher um die schlaue Neukombination von allseits bekannten Informationen." 

Unverzichtbar dafür, Informationen aus der Community zur Neukombination zu erhalten, seien Vertrauen, das sich eben vor allem im persönlichen Kontakt einstelle, und dann Offenheit im direkten Austausch. Wie weit Vertrauen und Offenheit heute dabei gehen können, belegen die so genannten Fuck-up-Nights der Start-up-Szene: Community-Meetings, bei denen gescheiterte Gründer von ihren Niederlagen berichten und dem Auditorium ihre Fehler als Erfahrungswissen bereitwillig zur Verfügung stellen.

Jenseits aller guten Gründe dafür, sich auch in der Kultur- und Kreativwirtschaft den Möglichkeiten der Digitalisierung und Vernetzung nicht zu verschließen, gibt es tief in Epizentrum der Branche etwas, das davon zwangsläufig unberührt bleibt: die individuelle schöpferische Kreativität als Treibstoff aller kreativen Akteure. In These 13 der "25 Thesen zur Zukunft der Arbeit", die die Telekom mit der Universität St. Gallen zu den Megatrends zur Arbeit in der digitalen Welt verfasst hat, heißt es dazu unter der Überschrift "Nichtlineares Denken als Domäne des Menschen": "Die Automatisierung von Arbeit ist endlich, da kreative Tätigkeiten verbleiben, die voraussehbar nicht maschinell substituierbar sind." Nachvollziehbar. Man stelle sich einen Schauspieler vor, der sein Spiel Abend für Abend aus seinem Textbuch, den Anweisungen seines Regisseurs, dem Zuspiel seines Ensembles und im Rahmen seines Bühnenbilds hervorbringt. Oder einen Designer, der im Spannungsfeldtechnischer Möglichkeiten und ermittelter Kundenwünsche seine Gestaltungslösung findet. Oder den Filmemacher, der eine Geschichte in ein Drehbuch übersetzt und für jede Szene dieses Drehbuchs das passende Bild schafft: nicht digitalisierbar. Oder anders ausgedrückt: Hier rühren wir an die Seele der Kultur- und Kreativwirtschaft, unantastbar, die sie unverwechselbar macht und im Innersten zusammenhält. 

Der Schlüssel dafür liegt in ihren Akteuren. "Ich glaube, dass dieser 4.0- und Digitalisierung-Trend vor allen Dingen offenlegt, dass der echte Wert des Menschseins darin liegt, kreativ zu sein", resumiert Jonas Lindemann. "Das Kassieren im Supermarkt, das Türen-Auf- und-Zumachen in einem Haus, das sind Tätigkeiten, die automatisierbar sind und die nach und nach automatisiert werden. Es gibt ja auch sehr spannende Beispiele dafür, wie Musikstücke oder Bilder digital, auf Basis von Algorithmen, entstehen. Was dem aber vorangegangen ist, ist die Idee. Und diese Idee, also die Kreativität, das Schöpferische, ist das Einzige, was man nicht digitalisieren kann. Es ist das, was am Ende übrigbleibt."

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