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29.3.2010

Der neue Mikrokreditfonds Deutschland

Mikrokreditfonds Deutschland

Nur wenige tausend Euro: Mit diesem überschaubaren Startkapital kommen viele (Klein-)Gründerinnen und Gründern in Deutschland aus, wenn sie ihr eigenes Unternehmen starten. Und auch so manches Kleinunternehmen benötigt nicht mehr Geld, um bei anstehenden Investitionen, z.B. für Geräte, Materialien, der Vorfinanzierung von Aufträgen oder aber bei Liquiditätsengpässen über die Runden zu kommen. Wer dieses Geld - gerade bei Gründungen aus der Arbeitslosigkeit -nicht hat, muss für einen Kredit zur Bank. Wer der Bank aber keine ausreichenden Sicherheiten anzubieten hat, kann sich den Weg meist sparen. Was die Sache nicht leichter macht: Die meisten Banken halten die Vergabe von kleineren Kreditbeträgen ohnehin nicht für lukrativ und winken eher grundsätzlich ab. 

Mikrokreditfonds Deutschland: Finanzierungsalternative für Kleinkreditnehmer
Eine Finanzierungsalternative sorgt für Kleinkreditnehmer nun für Abhilfe: der Mikrokreditfonds Deutschland. Ähnliche Mikrokreditangebote wurden seit über 150 Jahren von Kreditgenossenschaften sowie seit den 80er Jahren von Mikrofinanzinstituten in wirtschaftlich schwächeren Weltregionen entwickelt. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das Instrument durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus bekannt. Er ist Gründer der Grameen Bank, die ohne klassische Sicherheiten Mikrokredite an Menschen in Bangladesch vergibt und damit versucht, die Armut der Bevölkerung zu lindern.

Für Gründungen und Kleinunternehmen
Der Mikrokreditfonds Deutschland soll über Mikrokredite vor allem Gründungen und Kleinunternehmen unterstützen. Dabei geht es z.B. um die Vorfinanzierung eines ersten großen Auftrags, die Anschaffung von Maschinen oder Geräten oder um Investitionen für ein Warenlager (auch regelmäßig z.B. zum Jahresende für das Weihnachtsgeschäft).
Der Mikrokreditfonds Deutschland ist mit einem Volumen von 100 Millionen Euro ausgestattet. Knapp 60 Millionen Euro stammen aus dem Europäischen Sozialfonds; etwas mehr als 40 Millionen Euro kommen aus dem Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) (Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) plant, später 1,5 Millionen Euro beizusteuern.). Das Fondsvermögen wird von der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank) treuhänderisch für den Bund verwaltet. 

Mikrofinanzinstitute: erste Anlaufstelle für Gründerinnen und Gründer
Kleinkredite aus dem Mikrokreditfonds Deutschland werden von der GLS Bank vergeben. Wer einen solchen Kredit erhalten möchte, muss sich dafür an eines der derzeit zwölf Mikrofinanzinstitute wenden. Dabei handelt es sich um Partnerorganisationen des Fonds: z.B. Gründungszentren oder Unternehmensberatungen wie etwa die Gründungs- und Unternehmensberatung IQ Consult aus Berlin, die auf Gründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft spezialisiert ist.
Wichtigstes Angebot der Mikrofinanzinstitute ist die Beratung. Stellt sich im Verlauf dieser Beratung heraus, dass der Gründer oder Unternehmer ein Erfolg versprechendes Konzept verfolgt, signalisiert das Mikrofinanzinstitut "grünes Licht" an die GLS Bank: Kredit gewähren. Ob ein Vorhaben Erfolg verspricht, machen die Berater dabei nicht an quantitativen Daten fest - wie in erster Linie bei der typischen Bonitätsprüfung durch die Bank, sondern vor allem an qualitativen Faktoren. Besonders wichtig - so IQ Consult - ist dabei der persönliche Gesamteindruck, den ein Gründer oder Unternehmer hinterlässt.

Alle Mikrofinanzinstitute werden zuvor vom Deutschen Mikrofinanz Institut (DMI) geprüft und akkreditiert. Jedes dieser Mikrofinanzinstitute hat sich auf bestimmte Zielgruppen wie beispielsweise Kulturschaffende, Gründerinnen oder junge Unternehmen spezialisiert. Interessenten sollten daher zunächst prüfen, ob sich ein Mikrofinanzinstitut in ihrer Nähe befindet und welche Zielgruppen es anspricht. Eine Übersicht der Mikrofinanzinstitute findet sich unter www.mikrokreditfonds.de.

Gründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft: schwierige Erfolgsprognose
Beratung und gründliche Vorbereitung eines Kreditantrags sind dabei für Gründerinnen, Gründer und jungen Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft besonders wichtig. Für sie ergibt sich nämlich - nach Einschätzung von IQ Consult - über die "klassischen" Probleme von Kleingründern hinaus ein zusätzliches Problem: Ihre Produkte und Dienstleistungen lassen sich mit den üblichen automatisierten Prüfverfahren der Banken und Sparkassen kaum bewerten. Wird ein Computerspiel, eine TV-Produktion, eine Software, ein Kunstwerk, ein Event usw. wirtschaftlich erfolgreich sein? Übliche Folge: keine verlässliche Erfolgsprognose = kein Kredit.
Hinzu kommt: Eine wesentliche Kreditvoraussetzung ist für Banken und Sparkassen, dass der (potenzielle) Kreditnehmer das hierzulande durchschnittliche Haushaltseinkommen erzielt. Das Durchschnittseinkommen von Kulturschaffenden in Deutschland liegt - so IQ Consult - in aller Regel aber unterhalb dieser Grenze: für Banken und Sparkassen ein deutlicher Indikator für eine schlechte Erfolgsprognose.

Nicht so für den Mikrokreditfonds Deutschland und seine Mikrofinanzinstitute: Diese beurteilen den möglichen Erfolg eines Vorhabens auf besondere Art und Weise und nach eigenen Maßstäben.



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