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16.6.2010

Rückblick: Netzwerker.Treffen Berlin, Brandenburg am 10. Juni 2010 im "C/O Berlin"

Marktplatz Kultur- & Kreativwirtschaft - Netzwerker.Treffen Berlin, Brandenburg am 10. Juni 2010 im "C/O Berlin"

Es war ein beeindruckender Ort, an dem sich die rund 200 Besucher des Netzwerker.Treffens Berlin, Brandenburg zusammenfanden, um den regionalen Ansprechpartner des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft kennenzulernen: Das C/O Berlin, das "Internationale Forum für Visuelle Dialoge", hat vor zehn Jahren auf Initiative seiner drei Gründer die Räumlichkeiten des ehemaligen kaiserlichen Postfuhramts in Berlins Mitte bezogen. Der imposante Bau aus dem 19. Jahrhundert, der einst bis zu 240 Pferde, eine Rohrpostmaschinenstelle, ein Postamt und weitere Räumlichkeiten beherbergte, hat sich mittlerweile zu einem festen Anziehungspunkt in der Berliner Kulturszene entwickelt - und zwar ganz ohne öffentliche Förderung, wie Mit-Gründer und Direktor des C/O Berlin Stephan Erfurt betonte.

Eine beachtliche Leistung, die auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann in seiner Eröffnungsrede würdigte. Darüber hinaus begrüßte er die Einrichtung des Regionalbüros für Rat suchende kreative Gründer und Selbständige in Berlin und Brandenburg: "Das heute eröffnete Regionalbüro der Bundesinitiative Kultur- und Kreativwirtschaft wird die kulturwirtschaftlichen Aktivitäten von Berlin und Brandenburg sinnvoll ergänzen und optimieren. Von der Kooperation mit den Beratungsstellen wird nicht nur die Kreativszene der beiden Länder, sondern die Kulturwirtschaft insgesamt profitieren."

Auch Staatssekretär André Schmitz von der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin hieß die Initiative Kreativ- und Kulturwirtschaft der Bundesregierung herzlich willkommen und betonte: "Für den Erfolg einer nachhaltigen Kulturwirtschaftsstrategie war und ist das Zusammendenken von Wirtschafts- und Kulturpolitik von zentraler Bedeutung. Denn am Anfang eines kulturwirtschaftlich relevanten Prozesses steht die Kreation. Erst der  Schöpfungsakt setzt den wirtschaftlichen Kreislauf von Produktion und Verwertung in Gang. Daher ist es nur logisch, dass im Zentrum der Aufmerksamkeit einer zeitgemäßen Kulturwirtschaftspolitik der Künstler bzw. Kreative steht." 

Regionalbüro Berlin, Brandenburg des Kompetenzzentrums Kultur- & Kreativwirtschaft

Jeden Tag mit Kreativen und Künstlern über deren spannenden Projekte zu sprechen, sei einfach sein Traumjob, freute sich Dirk Kiefer, frisch gekürter Ansprechpartner im Regionalbüro des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft. Zusammen mit Stefanie Bechert, Leiterin des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes in Eschborn machte er deutlich, wie er sich seine zukünftigen Aufgaben vorstellt. Wobei er gleich zu Beginn klarstellte, dass sich "Kunst und Kommerz für mich überhaupt nicht ausschließen. Mein Ziel ist es daher, Kreative und Künstler hier in der Region Berlin-Brandenburg für unternehmerisches Handeln zu sensibilisieren und ihnen die notwendige Orientierung dafür zu bieten." Zu diesem Zweck wird er in Kooperation mit den bereits etablierten Netzwerken vor Ort in mehreren Bezirken Berlins sowie in Cottbus, Frankfurt/Oder, Potsdam, Prenzlau und Rheinsberg Sprechtage anbieten. Weitere Standorte sind geplant.

Arbeitsgruppen: Unterstützung, Förderprogramme, Rahmenbedingungen

Was die Szene in Sachen "Kunst und Kommerz" zur Zeit besonders beschäftigt, war Thema der Präsentationen dreier Arbeitsgruppen, die bereits am Vormittag getagt hatten. Darin ging es um die Andersartigkeit kreativer Geschäfts- und Organisationsmodelle, um die Distribution kreativer Technologien und um die richtigen Finanzierungs- und Förderkonzepte für kulturelle und kreative Unternehmen. Zusammengefasst: Die Szene ist geprägt von Kleinstunternehmen, die sich meist schon in einem sehr frühen Stadium Unterstützung wünschen, also bevor es um die kommerzielle Verwertung einer kreativen Idee geht. Sie vermissen außerdem spezifische Förderprogramme, die auf die besonderen Herausforderungen, aber auch großen Chancen der kreativen Branchen zugeschnitten sind. Nicht zuletzt wurden in den Arbeitsgruppen praktische Vorschläge zur Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen erarbeitet, um damit die Steine aus dem Weg zu räumen, die bislang noch die berufliche Selbständigkeit von Künstlern und Kreativen behindern. Die Ergebnisse dazu stehen hier in Kürze als Download zur Verfügung.

Dass die Politik viele der Wünsche und Bedürfnisse der Kreativen auf dem Radar hat, machten anschließend Ingrid Walther, Referatsleiterin bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen des Landes Berlin und Dr. Carsten Enneper, Abteilungsleiter Energie und Innovation im Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten des Landes Brandenburg deutlich. Beide stellten eine ganze Reihe beeindruckender Best-Practice Beispiele vor, die Kreativen und Künstlern den Weg in die berufliche Selbständigkeit erleichtern sollen: ob Anlaufstellen wie "kulturgewinn" im Land Brandenburg oder das Berliner "Projekt Zukunft", das seit 1997 die IKT- und Kreativwirtschaft unterstützt. Derlei Angebote seien aber nicht ganz uneigennützig, so Ingrid Walther. Denn immerhin seien Kulturbetriebe und Künstler ein Imagegewinn für jede Stadt und insofern ein wichtiges Zugpferd, zum Beispiel für die Ansiedlung von Investoren.

Podiumsdiskussion: Vielfalt der Kultur- und Kreativwirtschaft

In einer Talkrunde konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer schließlich hautnah erleben, wie unterschiedlich Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft aussehen können. Auf dem Podium: Tobias Morgenstern vom "Theater am Rand", Magdalena Schaffrin von "Green Fashion", Joerg Suermann vom "DMY International Design Festival Berlin", Stefan Wegener vom "Games Quality" und Carsten Wist von "Der Literaturladen". Ihnen allen ist es gelungen, mit viel Begeisterung und Leidenschaft, Ausdauer und Entschlossenheit aus einer kreativen Idee ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Teilnehmerin der Gesprächsrunde war zudem Katrin Tobies, Leiterin des EU-Projekts "Creative Metropoles" in Berlin. Elf europäische Städte tauschen sich darin über ihre Zukunftspläne aus, wie sich die Rahmenbedingungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft vor Ort verbessern lassen.