Rückblick: Netzwerker.Treffen Baden-Württemberg am 22. November 2010 im Theaterhaus Stuttgart
Regionalbüro Kultur- & Kreativwirtschaft: Netzwerker.Treffen Baden-Württemberg
Rund 200 Besucherinnen und Besucher kamen zum Netzwerker.Treffen ins "Kulturunternehmen Theaterhaus", wie der Intendant Werner Schretzmeier sein Haus bezeichnete. Anlass war die Eröffnung des Regionalbüros Kultur- & Kreativwirtschaft Baden-Württemberg des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes.
Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie hob in seiner Eröffnungsrede hervor, dass Kreativität eine wichtige, vielleicht die wichtigste Schlüsselkompetenz für unsere Volkswirtschaft sei. Das könne man nicht oft genug betonen. Darum brauche die Kultur- und Kreativwirtschaft die gleiche öffentliche Anerkennung wie die traditionellen Branchen. Ziel der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung und des von ihr gegründeten Kompetenzzentrums ist es daher, die Leistungen der Branche noch stärker sichtbar zu machen und kreative Gründerinnen und Gründer mehr noch als bisher zu unterstützen.
Regionalbüro Baden-Württemberg
Leiterin des neuen Regionalbüros Baden-Württemberg ist Bianca Poppke. Sie hat Audiovisuelle Medien in Stuttgart studiert, war mehrere Jahre als Produktionsleiterin einer Agentur in Berlin tätig und ist außerdem noch Singer/Songwriterin. Sie ist die Ansprechpartnerin im vorerst letzten und achten Regionalbüro des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes, das in 2010 seine Arbeit aufgenommen hat. Zusammen mit Eva Plankenhorn, Mitarbeiterin des Kompetenzzentrums in Eschborn, stellte sie die Arbeit des Kompetenzzentrums und des neuen Regionalbüros Baden-Württemberg vor: Das "Finden" von Kreativunternehmen und speziellen Angeboten für diese in der Region; das "Vernetzen" von Organisationen und Strukturen; das "Vermitteln" von Kontakten und Angeboten; das "Beraten" in Form von Orientierungsberatungen.
Die Orientierungsberatungen richten sich vor allem an Menschen mit kreativem Background, die unternehmerisch tätig werden wollen. "Ich will Kreative bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützen, denn gerade sie werden mit ihren Ideen oft belächelt". Regelmäßige Sprechtage für Kreative und Kulturschaffende bietet das Regionalbüro bereits in Stuttgart, Freiburg, Mannheim, Karlsruhe, Schwäbisch Hall und Ulm an. Weitere Standorte sind nicht ausgeschlossen.
Podiumsdiskussion:
Stadt, Land, Bund: Kultur- und Kreativwirtschaft gemeinsam gestalten
Die gute Kooperation von Bund und Ländern ist das Erfolgsrezept für den erfolgreichen Start der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft gewesen. Nun ist es wichtig, die Bedeutung der Branche noch stärker in die Kommunen zu kommunizieren, so Staatssekretär Otto. Das ist zumindest in Pforzheim nicht mehr nötig. In der Stadt gibt es einen eigenen Wirtschaftsbereich Kreativwirtschaft. "Das ist ganz klar Aufgabe der Wirtschaftsförderung. Dies gilt vor allem für Kommunen, die stark vom Strukturwandel betroffen sind", so Dr. Christoph Dickmanns, Direktor Wirtschaft und Stadtmarketing der Stadt. Auf zwei Wegen verfolgt die Stadt die Stärkung der Kreativwirtschaft: Zum einen mit Serviceangeboten, Veranstaltungen und Weiterbildungsmaßnahmen. Zum anderen mit der Einrichtung eines Kreativzentrums in einem ehemaligen Schwimmbad. Unterstützt wird die Kommune dabei durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
Landesweit unterstützt seit 25 Jahren die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg nicht nur die Film- und Kinolandschaft, sondern auch die IT- und Medienbranche. Gesellschafter der MFG sind das Land Baden-Württemberg und der Südwestrundfunk (SWR). Geschäftsführer, Klaus Haasis, regt für die Zukunft mehr "hybride" Förderinstrumente an. So sollten beispielsweise "klassische" Unternehmen nur dann eine Förderung erhalten, wenn sie gemeinsame Projekte mit innovativen und kreativen Unternehmen umsetzen.
Erfolgreich.Kreativ.Wirtschaften: Best-Practice in der Region
In der zweiten Podiumsrunde des Tages waren Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region präsent. Sie alle haben mit ihren Ideen Marktnischen besetzt: Matthias Rettner vom Aktionstheaters PAN.OPTIKUM, das sich auf die Durchführung von Großveranstaltungen spezialisiert hat; Thomas Hundt, von jangled nerves konzipiert Kommunikationslösungen an der Schnittstelle von Medien und Raum; Kristof Knauer, von Undergrounddinner richtet in ungenutzten innerstädtischen Räumen temporäre Restaurants ein; die Designerin Lina Heckmann, die ihr Label EVAW/wave mit einer Badekollektion gestartet hat und Frieder Scheiffele, Geschäftsführer von Schwabenlandfilm, die eine Fernsehserie in schwäbischer Mundart produzieren.
Best-Practice aus der Region ist auch "raumservice". Sandra Ewald und Dagmar Korintenberg stellten ihre Agentur für Ereignisse und Gestaltung vor. Sie entwerfen online-Auftritte, "Messetüten" und bieten einen kompletten "Partybaukasten" für Events an. Dass man auch mit Klassik innovativ sein kann, beweist "Spark". Dazu gehören "fünf Individualisten, die Kammermusik machen, die zündet", so Jutta Rieping. Alle Mitglieder des Ensembles haben eine klassische Musikausbildung und sind mit ihrem Konzept, das klassische Musik mit zeitgenössischer Avantgarde kombiniert, seit 2007 erfolgreich. Außerdem dürfen sich die Musiker von Spark - ebenso wie die Gründer von Undergrounddinner - seit Herbst diesen Jahres als "Kultur- und Kreativpiloten Deutschland" bezeichnen. Sie sind Gewinner des gleichnamigen Wettbewerbs der Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft.