Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Branche

Die schöpferischen und gestaltenden Menschen sind die Basis der Kultur- und Kreativwirtschaft: Autoren, Filmemacher, Musiker, bildende und darstellende Künstlerinnen und Künstler, Architekten, Designer und die Entwickler von Computerspielen schaffen künstlerische Qualität, kulturelle Vielfalt, kreative Erneuerung und stehen zugleich für die wirtschaftliche Dynamik einer auf Wissen und Innovation basierenden Ökonomie.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft wird insbesondere von Freiberuflern sowie von Klein- und Kleinstbetrieben geprägt. Sie sind überwiegend erwerbswirtschaftlich orientiert - also nicht primär im öffentlichen (Museen, Theater, Orchester in öffentlicher Trägerschaft) oder zivilgesellschaftlichem Sektor (Kultur-, Kunstvereine, Stiftungen, etc.) - und beschäftigen sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von kulturellen oder kreativen Gütern und Dienstleistungen.

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft werden elf Teilmärkte bzw. -branchen gezählt. Bund und Länder haben sich dabei an der Definition der Enquête-Kommission "Kultur in Deutschland" orientiert.

Die elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft

Die elf Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft; Quelle: Forschungsgutachten Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung 2009


Die Teilmärkte Musikwirtschaft, Buchmarkt, Kunstmarkt, Filmwirtschaft, Rundfunkwirtschaft, Darstellende Kunst, Designwirtschaft, Architekturmarkt und Pressemarkt werden unter dem Begriff "Kulturwirtschaft" zusammengefasst. Zusätzlich sind die beiden Teilmärkte Werbemarkt sowie Software/Games-Industrie als sogenannte Kreativbranchen mit einbezogen. In den Bereich "Sonstige" können ggf. neue wirtschaftliche Aktivitäten eingebunden werden. Die deutsche Abgrenzung ist sowohl mit den europäischen Abgrenzungen als auch mit denen der UNESCO kompatibel.

Branche mit Zukunft

Seit Ende der 80er Jahre entwickelte sich die Kultur- und Kreativwirtschaft zu einem der dynamischsten Wirtschaftszweige der Weltwirtschaft. Ihr Beitrag zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung (Bruttowertschöpfung) in Deutschland betrug im Jahr 2013 schätzungsweise knapp 65 Milliarden Euro (2,3 Prozent). Damit ist sie vergleichbar mit den großen Industriesektoren Automobil, Maschinenbau, Chemie, oder der Finanzdienstleistungsbranche und der Energieversorgung.

Wirtschafts- und Standortfaktor

Kultur- und Künstlerförderung ist zugleich auch Wirtschaftsförderung. Längst gilt das kulturelle Umfeld einer Region oder Kommune als entscheidender Standortfaktor bei der Ansiedlung von Unternehmen. Länder und Kommunen erkennen zunehmend die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft und richten Anlaufstellen für die Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft ein.

Querschnittbranche zwischen Tradition und Moderne

Die Kultur- und Kreativwirtschaft verbindet traditionelle Wirtschaftsbereiche, neue Technologien und moderne Informations- und Kommunikationsformen. Insbesondere die Software-/Games-Industrie zeigt durch die Vernetzung der verschiedenen kulturellen Sparten wie Film, Video, Musik, Text oder auch Animation das besondere Potential der Kultur- und Kreativwirtschaft.


Kennzeichen der Kultur- und Kreativwirtschaft

In Deutschland sind im Jahr 2013 in der Kultur- und Kreativwirtschaft über eine Million Menschen erwerbstätig, davon knapp 249.000 als selbständige Freiberufler und gewerbliche Unternehmerinnen und Unternehmer sowie rund 791 Tausend sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Berücksichtigt man auch die geringfügig Beschäftigten und geringfügig Tätigen, sind sogar rund 1,59 Millionen Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativbranche aktiv. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm 2013 gegenüber dem Vorjahr um 3,27 Prozent zu. Bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten kann die Kultur- und Kreativwirtschaft höhere Wachstumsraten verzeichnen als die Gesamtwirtschaft.

Die 249.000 Unternehmen erzielen zusammen ein Umsatzvolumen von über 145 Milliarden Euro. Insgesamt kann die Kultur- und Kreativwirtschaft damit im Jahr 2013 schätzungsweise einen Beitrag in Höhe von ca. 65 Milliarden Euro (2,3 Prozent) zur Bruttowertschöpfung leisten.

Auf einen Blick (Zahlen aus 2013)

  • Anzahl der Unternehmen (Freiberufler und gewerbliche Unternehmer):
    248.721
    (Anteil an der Gesamtwirtschaft 7,56 Prozent)
  • Umsatz: 145,3 Mrd. Euro
    (Anteil an der Gesamtwirtschaft 2,36 Prozent)
  • Beschäftigung:
    Erwerbstätige (Selbständige und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ohne Minijobs): 1.038.601
    (Anteil an der Gesamtwirtschaft 3,16 Prozent), davon
    sozialversicherungspflichtig Beschäftigte: 790.744
    (Anteil an der Gesamtwirtschaft 2,67 Prozent)
    Anstieg der Erwerbstätigkeit: 2,67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
    Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: 3,27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr
    Erwerbstätige insgesamt (Erwerbstätige und geringfügig Beschäftigte/Tätige): 1.592.000
  • Bruttowertschöpfung: 65,3 Mrd. Euro (Anteil an Gesamtwirtschaft 2,32 Prozent)
  • Anteil Selbständige an den Erwerbstätigen: 24 Prozent
  • Anteil der Kleinstunternehmen/Freiberufler (Umsatz unter 2 Millionen Euro): 97 Prozent
    (Anteil der Kleinstunternehmen am Gesamtumsatz rund 26 Prozent) (2012)

Quelle: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2013. BMWi (Hrsg.) 2014.
Alle Kennzahlen zum Jahr 2013 sind vorläufig.


Die wirtschaftliche Entwicklung der Branche 2009 bis 2013

In dem jährlichen Monitoringbericht zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, die erwerbswirtschaftlich orientiert sind. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten oder Einrichtungen in der Trägerschaft von Ländern oder Kommunen (Theater, Veranstaltungsstätten usw.), werden nicht berücksichtigt.

Positive Umsatzentwicklung, aber große Unterschiede in den Teilmärkten

Seit dem Krisenjahr 2009 hat sich das Umsatzvolumen in der Kultur- und Kreativwirtschaft positiv entwickelt. Im Zeitraum 2009 bis 2013 stieg der Umsatz in der Branche durchschnittlich um 2,6 Prozent pro Jahr. Allerdings fällt die Umsatzentwicklung in den einzelnen Teilmärkten recht unterschiedlich aus. Positiv haben sich insbesondere die Software-/Games-Industrie (jährlich plus 9 Prozent), der Markt für darstellende Künste (jährlich plus 7,5 Prozent), die Musikwirtschaft (jährlich plus 5,5 Prozent), der Architekturmarkt (jährlich plus 4,9 Prozent) und der Kunstmarkt (jährlich plus 4,0 Prozent) entwickelt. Die Teilmärkte Design und Film liegen mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 2,5 bzw. 2,1 Prozent etwa im Durchschnitt der gesamten Branche. Unterdurchschnittlich haben sich die Rundfunkwirtschaft, der Pressemarkt, der Werbemarkt und der Buchmarkt entwickelt.

Zahl der Kultur- und Kreativunternehmen steigt moderat an

Die Zahl der Kultur- und Kreativunternehmen ist im Zeitraum 2009 bis 2013 um durchschnittlich 1,4 Prozent pro Jahr gewachsen. Überdurchschnittlich hoch war die Zunahme in der Software-/Games-Industrie mit 7,6 Prozent, in der Designwirtschaft mit 4,9 Prozent und im Markt für darstellende Künste mit 4,3 Prozent. In der Musikwirtschaft, der Filmwirtschaft, im Presse- und im Kunstmarkt und vor allem im Werbemarkt (minus 4,6 Prozent) nahm die Zahl der Unternehmen hingegen ab.

Stetige Zunahme der Erwerbstätigkeit

Die Zahl der Selbständigen und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten konnte zwischen 2009 und 2013 durchschnittlich um 2,9 Prozent im Jahr zulegen. Die Zahl der Erwerbstätigen hat insbesondere in den Teilmärkten zugenommen, die auch ein vergleichsweise starkes Umsatzwachstum verzeichnen konnten (Software-/Games-Industrie, darstellende Künste, Architekturmarkt, Designwirtschaft). Abgenommen haben die Erwerbstätigenzahlen in der Filmwirtschaft, im Kunst- und im Pressemarkt. Im Werbemarkt und im Buchmarkt stagnierte sie.

Zunahme sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung - Rückgang geringfügiger Beschäftigung

Die positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit schlägt sich insbesondere in der Zunahme abhängiger bzw. sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung nieder. Hier konnte die Kultur- und Kreativwirtschaft - im Jahr 2013 mit einer Zunahme um 3,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - deutlich höhere Wachstumsraten erzielen als die Gesamtwirtschaft (1,1 Prozent). Gleichzeitig ging die Zahl der geringfügig Beschäftigten zurück, d.h. es gab eine Verschiebung hin zu mehr regulärer Beschäftigung.

Quelle: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2013. BMWi (Hrsg.) 2014


Kultur- und Kreativwirtschaft im internationalen Vergleich

In der europäischen Gemeinschaft arbeiten nach Schätzungen der Europäischen Kommission insgesamt 6,7 Millionen Beschäftigte im Kultur- und Kreativsektor (2008) und die Branche hat rund 3,3 Prozent zur Bruttowertschöpfung in der Europäischen Union (2006) beigetragen. (*)

Die Zahl der Unternehmen sowie die Umsätze in der Kultur- und Kreativwirtschaft sind in Deutschland und in den meisten anderen europäischen Ländern (Österreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Niederlande, Vereinigtes Königreich) im Zeitraum 2008 bis 2011 stetig gestiegen. Verloren haben hingegen die Länder, die immer noch stark an den Folgen der Wirtschaftskrise leiden, nämlich Spanien, Italien und Portugal. Deutschland liegt im Jahr 2011 bei der Anzahl der Unternehmen an zweiter Stelle hinter Italien und vor dem Vereinigten Königreich, erzielt jedoch den höchsten Umsatz. Mit fast 1,8 Millionen Beschäftigten ist die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland die größte im internationalen europäischen Vergleich. Allerdings fehlen die Angaben für das Vereinigte Königreich, das im Jahr 2008 gleich hinter Deutschland lag. (**)

Exportquoten der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist sehr viel weniger exportorientiert als die Branchen aus dem verarbeitenden Gewerbe (Chemie, Automobil, Maschinenbau). Nur in der Musikwirtschaft, der Software-/Games-Industrie und im Teilmarkt ?Sonstige? werden Exportquoten von über 10 Prozent erzielt. Insgesamt sind die Exportquoten der Branche in den Jahren 2009 bis 2011 rückläufig.

Der Außenhandel der Branche im internationalen Vergleich

Die Vereinten Nationen (UN) unterscheiden in ihrer "UNCTAD Statistics on Creative Industries" zwischen kreativen Gütern und kreativen Dienstleistungen.
Im Jahr 2011 kamen mehr als ein Viertel aller als kreative Güter klassifizierten Exporte aus der Volksrepublik China. Auch Deutschland hat mit fast sieben Prozent in 2011 einen großen Anteil an den weltweiten Exporten und liegt knapp unter dem Anteil der Vereinigten Staaten (7,6 Prozent) und deutlich oberhalb dem anderer europäischer Staaten.

Für Importe stellen die Vereinigten Staaten mit einem Anteil von über 20 Prozent den mit Abstand größten Markt dar. Das Vereinigte Königreich und Deutschland folgen mit knapp über bzw. knapp unter sieben Prozent mit einigem Abstand. Der Anteil Chinas liegt, wenn auch leicht ansteigend, nur bei 2,3 Prozent vor Südkorea (1,2 Prozent).

Entwicklung des Außenhandels mit kreativen Gütern

Der Export von Gütern der Kultur- und Kreativwirtschaft hat sich vor dem Hintergrund der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise wenig dynamisch entwickelt. Zwischen 2007 und 2011 wuchsen die weltweiten Ausfuhren durchschnittlich jährlich um 3,7 Prozent. In vielen Ländern, darunter auch Deutschland, gingen die Exporte zurück. Ganz anders in China. Hier sind die Ausfuhren im gleichen Zeitraum um über 13 Prozent im Jahr gestiegen, insbesondere durch den starken Anstieg im Bereich des Design und der visuellen Künste. Auch die Importe kreativer Güter sind in China stark angestiegen, während sie im weltweiten jährlichen Durchschnitt leicht gesunken sind. Deutschland weist mit 1,7 Prozent Importwachstum ähnliche Tendenzen wie andere europäische Länder auf.

Entwicklung des Außenhandels mit kreativen Dienstleistungen

Der Außenhandel mit kreativen Dienstleistungen (Computer- und Informationsdienstleistungen; Lizenzgebühren; personelle, kulturelle, erholungsbezogene Dienstleistungen; andere unternehmensnahe Dienstleistungen) entwickelte sich deutlich dynamischer. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der weltweiten Exporte lag im Zeitraum 2007 bis 2011 je nach Dienstleistungsbereich zwischen 6,2 und 9 Prozent. Insbesondere Frankreich und China haben hier zugelegt. Auch bei den Importen übertreffen China und Frankreich das weltweite durchschnittliche Wachstum von zwischen 2,6 Prozent bis 9,5 Prozent in nahezu allen Bereichen deutlich. Die Werte für Deutschland weisen im Bereich personelle, kulturelle Dienstleistungen sowohl für den Export als auch für den Import ein Minus aus. Die Werte der anderen Bereiche bewegen sich in der Nähe des weltweiten Durchschnitts. 

(*) European Competitiveness Report (2010).
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist international nicht einheitlich klassifiziert. Zur Analyse der internationalen Aktivitäten der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft und für den Vergleich mit anderen Ländern werden unterschiedliche Datensätze herangezogen

(**) Anmerkung: nicht alle EU-Mitgliedstaaten sind hier erfasst.
Quelle: Monitoring zu ausgewählten wirtschaftlichen Eckdaten der Kultur- und Kreativwirtschaft 2012. BMWi (Hrsg.) 2014



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