Internationale Fachkonferenz Kreative Wirkungskraft - Christian Hirte

© William Veder/Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Bei der internationalen Fachkonferenz des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes „Kreative Wirkungskraft – die Matrix zwischen Innovation und Kreativität“ wurde deutlich, welchen wesentlichen Bedeutungszuwachs die Branche zurzeit erfährt. Gemeinsam mit rund 200 internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik wurden Maßnahmen und Möglichkeiten diskutiert, die den Austausch und den Wissenstransfer zwischen Unternehmerinnen und Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft und anderen Sektoren stärken und nachhaltig befördern.

„Die Kultur- und Kreativwirtschaft bündelt in besonderem Maße verschiedene Potenziale. Sie ist unglaublich innovativ und damit auch ein Motor für neue Wege fernab technischer Fragen. Und sie bildet den Grundstein für Querdenken. Beides ist für eine zukunftsfähige deutsche Wirtschaft wichtig“, betonte Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie (BMWi), zur Begrüßung der Gäste. Im Fokus der Veranstaltung am 30. Oktober 2017 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin standen die Entwicklung und Diskussion von neuen und veränderten Maßnahmen für ein Policy Making der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ziel sollte es sein, die Anschlussfähigkeit anderer Wirtschaftssektoren zu erleichtern, um einen Austausch branchenübergreifend und nachhaltig zu etablieren.

Zu den internationalen Impulsgeberinnen und -gebern gehörten u. a. der Wirtschaftswissenschaftler der City, University of London, Prof. Andy Pratt, sowie Johanna Skantze, die ehemalige Direktorin des schwedischen Netzwerks für Kultur- und Kreativwirtschaft Generator Sverige und heutige Agenturdirektorin der Innovationsagentur We are Laja, sowie Dr. Christian Ehler, als Mitglied des Europäischen Parlaments (MdEP) Vorsitzender der Intergroup Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa. „Die Kreativwirtschaft ist unsere Zukunft, sie bietet die Grundlage für Innovation, schafft Wachstum und überrascht uns dank ihrer Vielseitigkeit und Wirtschaftskraft immer wieder“, beschreibt Dr. Christian Ehler die wachsende Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Europa. Mit der Gründung der Intergroup Kultur- und Kreativwirtschaft im Europäischen Parlament setzt er sich für die Stärkung dieser Branche bereits seit 2014 ein.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist eine wesentliche Wirtschaftskraft, wie zahlreiche quantitative Analysen der letzten Jahre belegen können. Ihre Bruttowertschöpfung (BWS) ist vergleichbar mit der von Chemischer Industrie und Finanzbranche. „Uns geht es nicht nur um Maßnahmen, um die Kultur- und Kreativwirtschaft zu fördern“, erläutert Sylvia Hustedt, Geschäftsführerin des u-institut, dem Projektträger des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft. „Wir wollen stärker darauf hinarbeiten, dass Maßnahmen geschaffen werden, die die Zusammenarbeit mit dieser Branche an Schnittstellen sowohl zu Politik als auch Wirtschaft erleichtern.“ Die internationale Fachkonferenz bot dafür einen vielseitigen Rahmen unterschiedlicher Panels und Diskussionsforen. Zu den mitdiskutierenden Teilnehmern gehörten u.a. auch der Autor Frédéric Martel, die Filmemacherin und Journalistin Rokhaya Diallo und Dr. Susanne Stürmer, Geschäftsführerin der Filmuniversität Babelsberg.

Ausblick auf die Zukunft

Vier interaktive Diskussionsräume boten die Möglichkeit, sich der Wirkungskraft der Kultur- und Kreativwirtschaft aus verschiedenen Perspektiven anzunähern und sich über auszutauschen. Zu den Wirkungsfeldern, die näher betrachtet wurden, gehörte z. B. die Gestaltung des ländlichen Raums: „Die Kultur- und Kreativwirtschaft kann im ländlichen Raum als Demokratieverstärkerin fungieren“, beschrieb Moderator Christian Zöllner von „The Constitute“ einen wichtigen Impuls, der von der Kreativwirtschaft ausgehe. „Durch kreative Angebote ist es möglich, kulturelle Selbstverwirklichung, berufliche Qualifizierung und eine breite sozio-kulturelle Teilhabe zu fördern.“ Seit 2017 ist Zöllner in der Oberlausitz und in Sachsen mit einem Fabmobil unterwegs, einem fahrenden Kunst- und Digitallabor mit Werkstattcharakter. Das Angebot richtete sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die nach beruflicher wie privater Orientierung suchen. Das Fabmobil ist eines von zahlreichen Projekten der Kreativbranche, die sich mit den Folgen des demografischen Wandels in ländlichen Regionen beschäftigen und zukunftsfähige Perspektiven gerade für junge Menschen bieten wollen.

In anderen Diskussionsräumen wurde über neue Narrative für die Branche, über ihren Impact für Europa und ein mögliches Agenda Setting für die Zukunft diskutiert. Dabei entstanden zahlreiche konkrete Forderungen, die die Kultur- und Kreativwirtschaft als Raum- und Perspektivenentwicklerin unterstützen. „Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat das Potenzial, die Erfolgsgeschichte für Europa nachhaltig zu gestalten“, erläuterte Christoph Backes, Geschäftsführer des u-instituts und Projektleiter des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes. „Damit die Potenziale branchenübergreifend nutzbar werden, muss sich das Narrativ für die Kultur- und Kreativwirtschaft verändern, sowohl im politischen Kontext als auch in der Selbstdarstellung der Akteure: Kultur- und Kreativwirtschaft muss lauter und größer werden.“ Maßnahmen, die dazu dienen könnten, die Potenziale und den Impact der Creative Economies sichtbarer zu machen, könnten z. B. ein reformiertes Europäisches Forschungsrahmenprogramm oder die Entwicklung von kreativwirtschaftlichen Cluster-Parks sein. Ideen, die zum Teil bereits existieren und für die sich auch einige der Impulsgeber der Konferenz stark machen.

Auch das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft bewegt dieses Thema bereits seit längerer Zeit. So führte es 2017 das Projekt PHASE XI durch, in dem Themen wie Big Data, Mobilität und ländlicher Raum bearbeitet wurden. Entstanden sind kreative Prototypen, die neue Impulse für die Themenfelder lieferten. „Das Projekt hat beispielhaft gezeigt, wie erfolgreich die Zusammenarbeit mit der Kultur- und Kreativwirtschaft ist und welches wichtige Potenzial von Cross Innovation ausgeht“, betonte Christoph Backes. „Creative Impact kann Europa zukunftsfähig machen und zeigt Europa dabei in seiner Einzigartigkeit und Vielfältigkeit.“