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20.04.2022 -

„Mir war nicht bewusst, wie stark der Zusammenhalt unter Selbständigen sein kann.“ Interview mit Katharina Katz, Autorin, Journalistin, Creativ Consultant

Einleitung

Interview mit Katharina Katz, Autorin, Journalistin, Creativ Consultant

Katharina Katz, Autorin, Journalistin, Creativ Consultant

© Katharina Katz

Über zu wenige Aufträge kann sich Katharina Katz nicht beklagen. Kein Wunder: Ihr Arbeitsfeld ist enorm breit gefächert. Seit 2013 arbeitet die Solopreneurin für Onlinemagazine und Kreativagenturen, produziert Videos und Podcasts und schreibt Bücher. Für berufliche Newcomer hat sie jede Menge Tipps parat.

Katz: Ich glaube, bei mir ist das eine Mischung aus beidem. Einerseits bringt diese Vielfalt ganz klar unternehmerische Vorteile mit sich: Je breiter ich aufgestellt bin, desto mehr Aufträge kann ich übernehmen. Dadurch habe ich ganz gut zu tun. Und nicht zuletzt hat mich mein breites Angebotsspektrum auch durch die Pandemie gerettet.

Andererseits finde ich die Vielfalt an Projekten sehr angenehm. Meine Arbeit ist dadurch sehr abwechslungsreich. Ich arbeite in einem Bereich, in dem ohnehin häufig verschiedene Formate zusammenspielen. Das heißt, ich schreibe zum Beispiel als Journalistin nicht nur Artikel, sondern produziere auch den passenden Video- und Bild-Content dazu.

Katz: Als ich anfing, lag mein Schwerpunkt auf dem Thema Food. Dazu gehörten Videos und journalistische Beiträge. Dann ist das Thema Gründung und Selbständigkeit hinzugekommen. Das heißt, ich habe einen Guide für Gründerinnen und Gründer geschrieben und beteilige mich als Speakerin auf Konferenzen zu dem Thema.

Katz: Bei mir ist die Bandbreite ziemlich groß. Ich arbeite journalistisch für Magazine oder Zeitungen. Außerdem habe ich als Mentorin am Mentoring-Programm der Hamburg Kreativ Gesellschaft teilgenommen, was mir großen Spaß gemacht hat. Hin und wieder biete ich auch für ein Weiterbildungsinstitut Lehrgänge zum Thema Storytelling und Content an.

Katz: Das ist unterschiedlich. Ich werden zum Beispiel hin und wieder von einer Kreativagentur beauftragt, Konzepte zu entwerfen oder Texte zu schreiben. Das sind klassische Auftragsarbeiten, wo der Auftraggeber ganz klar Ziel und Inhalt der Arbeit vorgibt. Abgesehen davon habe ich auch meine eigenen Projekte, für die ich Themen entwickle. Durch Gespräche mit Gründerinnen und Gründern habe ich zum Beispiel erfahren, dass das Thema Digitalisierung durch die Pandemie viel mehr an Bedeutung gewonnen hat. Also habe ich dazu recherchiert und gerade einen Ratgeber herausgegeben.

Katz: Da spielen Empfehlungen natürlich eine wichtige Rolle. Ich bin seit 2013 selbständig und habe durch meine Bücher einen gewissen Bekanntheitsgrad. Da funktioniert das ganz gut. Abgesehen davon gehe ich aber auch zu Networking Events, um mich immer mal wieder ins Gespräch zu bringen. Ein gutes Akquiseinstrument sind darüber hinaus Online-Plattformen, die sich gezielt an Freelancer aus dem Kreativ- und Kulturbereich richten.

Katz: Ich würde sagen, das ist reine Fleißarbeit. Natürlich kann keiner erwarten, auf ein Event zu gehen, mit zehn Visitenkarten nach Hause zu kommen und am nächsten Morgen fünf Aufträge in der In-Box zuhaben. So funktioniert das nicht. Wenn ich zu einer Veranstaltung gehe, gehe ich auf andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu, stelle mich kurz vor und frage sie, was sie so machen oder warum sie auf der Veranstaltung sind. Da braucht es natürlich ein bisschen Mut, ein Gespräch anzufangen. Oder ich frage zum Beispiel vorab den Veranstalter oder Gastgeber, ob ich eine Kurzinfo zu den anderen Teilnehmenden bekommen kann. Vielleicht stellt er mich sogar einem geeigneten Gesprächspartner vor.

Man darf nur nicht mit der Vorstellung hingehen, dass man unbedingt einen Auftrag an Land ziehen möchte. Ich gehe zu solchen Events mit der Erwartung, nette Leute kennenzulernen. Dem einen oder der anderen schicke ich am nächsten Tag eine kurze Nachricht und bedanke mich für das interessante Gespräch. Bei der nächsten Veranstaltung trifft man sich dann wieder und so baut man langsam sein Netzwerk aus – ohne dass damit eine bestimmte Erwartungshaltung verbunden ist.

Katz: Nicht wirklich. Das lag auch daran, dass ich bereits Kontakt zu einem Verlag hatte. Ich kannte jemanden, der ein Buch dort veröffentlicht hatte und über den habe ich dann die PR-Managerin des Verlags kennengelernt. Das hat den Einstieg natürlich erheblich erleichtert. Entscheidend ist aber natürlich, dass man ein überzeugendes Exposée vorlegen kann. Und wenn man keine Kontakte hat, muss man halt sehr gezielt nach geeigneten Verlagen suchen und die Lektorinnen oder Lektoren ansprechen. Ich hatte jedenfalls Glück und stieß auf große Begeisterung für meine Buchidee, so dass dann kurzerhand der erste Vertrag zustande kam. Und da ich bei dem Verlag geblieben bin, ist der Weg für weitere Bücher geebnet.

Katz: Das Wichtigste für mich war zunächst, meinen Wert zu kennen. Ich wusste nicht, ob ich mich mit meinen Honorarvorstellungen eher am oberen oder am unteren Rand bewegte. Das hat die Honorarverhandlungen nicht gerade einfach gemacht. Ich habe mich daher über Vergleichswerte informiert: Was nehmen andere in meiner Branche, mit meiner Berufserfahrung? Ich fand Freelancer-Plattformen da ganz hilfreich, aber natürlich auch das direkte Gespräch mit anderen Selbständigen, die in einem ähnlichen Bereich wie ich unterwegs sind. Natürlich habe ich auch immer im Blick, ob ich nur für einen Tag oder einen Monat gebucht werden. Daraus ergeben sich ganz unterschiedliche Preisranges. Und wenn es um ein Buch geht, muss ich mich über die gängigen Honorarsätze der Verlage für Autorinnen und Autoren informieren. Entscheidend ist aber letztlich, dass ich als Selbständige meine Kosten decken kann und meine Sozialversicherung, meine Büromiete, Arbeitsgeräte usw. bezahlen kann. Im Zweifelsfall kommt es daher schon vor, dass ich auch mal einen Auftrag ablehne.

Katz: Ich fand es anfangs nicht so einfach, das ganze Setup für mich zu finden: Die Frage zu den Steuern, zu Versicherungen, zur Notwendigkeit eines Büros. Das hatte ich mir einfacher vorgestellt und war auch mit relativ viel Bürokratie verbunden. Ich hatte damals aber auch keine Beratung in Anspruch genommen. Das würde ich heute anders machen.

Außerdem fand ich es relativ herausfordernd, einen eigenen Tagesrhythmus zu finden. Als Selbständige habe ich ja keinen 9-to-5-Job. Das bedeutet, an manchen Tagen habe ich Leerlauf, weil ich auf das Feedback eines Auftraggebers warte. An anderen Tagen sitze ich bis spät abends oder auch am Wochenende am Schreibtisch. Es gibt nicht diese regelmäßigen Tagesabläufe wie bei Angestellten. Da kommt auch keiner und sagt: Du hast jetzt Feierabend. Man muss also selbst dafür sorgen, eine Struktur in seinen Arbeitsalltag zu bekommen.

Katz: Für mich war es ganz wichtig, in der Pandemie breit aufgestellt zu sein, da mir unheimlich viele Kunden weggebrochen sind. Ich hatte zuvor sehr viel für Videoproduktionen gearbeitet, hauptsächlich für Kunden in Berlin. Die meisten Produktionen wurden als Folge der Pandemie natürlich erst einmal abgesagt oder auf Eis gelegt. Und für die wenigen, die dennoch stattfanden, hätte ich von Hamburg nach Berlin fahren müssen, um dann fünf Tage mit mehreren Personen in einem Raum zu arbeiten. Das kam für mich überhaupt nicht in Frage, zumal für meine damals eineinhalbjährige Tochter keinerlei externe Kinderbetreuung greifbar war. Insofern war ich sehr froh, dass ich mich auf meine beiden anderen beruflichen Standbeine konzentrieren konnte und sowohl meiner journalistischen Arbeit nachgehen als auch ein neues Buch schreiben konnte. Diese Flexibilität hinsichtlich meiner Arbeitsfelder, meiner Arbeitszeiten und -orte war nicht zuletzt deswegen unheimlich wichtig, weil mein Mann und ich so die Betreuung unserer Tochter untereinander aufteilen konnten.

Katz: Ja, die gab es. Mir war nicht bewusst, wie stark der Zusammenhalt unter Selbständigen sein kann und wie groß die gegenseitige Unterstützung ist. Als zum Beispiel eines meiner Bücher herausgekommen war, ist eine Instagram-Gruppe von Kreativ-Unternehmerinnen auf mich zugekommen und hat mich zu einem ihrer monatlichen Zoom-Meetings eingeladen, um mein Buch vorzustellen. Ich habe viele Erlebnisse gehabt, wo man sich untereinander hilft. Damit hatte ich nicht gerechnet. Insofern war und ist es eine schöne Erfahrung, zu sehen, wie toll das funktionieren kann.

Stand: März 2022