In dem jährlichen Monitoringbericht zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, die erwerbswirtschaftlich orientiert sind. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten oder Einrichtungen in der Trägerschaft von Ländern oder Kommunen (Theater, Veranstaltungsstätten usw.), werden nicht berücksichtigt.

Über eine Viertelmillion Unternehmen

Die Anzahl der Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland bleibt in 2018 mit 256.600 in etwa auf dem Vorjahresniveau. Seit dem Jahr 2013 ist die Zahl der Kreativunternehmen um durchschnittlich 0,8 Prozent pro Jahr gestiegen. Überdurchschnittlich hoch waren die Zunahmen in der Software- /Games-Industrie mit jährlichen Wachstumsraten von 3,9 Prozent, im Markt für darstellende Künste (3,4 Prozent) sowie in der Designwirtschaft (2,2 Prozent). Alle anderen Teilmärkte bewegen sich um die branchendurchschnittliche Entwicklung von 0,8 Prozent oder haben sich negativ entwickelt.

Umsatzentwicklung insgesamt positiv

Der Umsatz in der Kultur- und Kreativwirtschaft hat sich positiv entwickelt und liegt für das Jahr 2018 bei schätzungsweise 168,3 Milliarden Euro. Mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate in Höhe von 3,3 Prozent für den Zeitraum 2013 bis 2018 ist die Umsatzentwicklung in der Kultur- und Kreativwirtschaft auch langfristig gesehen positiv. Dabei ist die Entwicklung in den einzelnen Teilmärkten allerdings recht unterschiedlich. Sehr gut haben sich insbesondere die Software-/Games-Industrie (durchschnittliche jährliche Wachstumsrate 8,9 Prozent), der Markt für darstellende Künste (6,6 Prozent) und der Architekturmarkt (5,4 Prozent) entwickelt. Etwas niedriger fällt das Umsatzwachstum in der Rundfunkwirtschaft (3,0 Prozent), der Musikwirtschaft (2,5 Prozent), der Designwirtschaft (2,3 Prozent) sowie der Filmwirtschaft (1,6 Prozent) aus. In den Teilmärkten Buch-, Presse-, Kunstmarkt und Sonstige haben die Umsätze im langfristigen Mittel abgenommen.

Zahl der Erwerbstätigen steigt auf 1,195 Millionen

In 2018 waren in der Kultur- und Kreativwirtschaft 1.195.035 Menschen als Freiberufler und Selbständige oder als abhängig Beschäftigte erwerbstätig (Kernerwerbstätige). Der Anstieg um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geht hauptsächlich auf eine steigende Zahl sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse (plus 3,9 Prozent) zurück und nur geringfügig auf eine Zunahme der Selbständigen. Damit hat die Kernerwerbstätigkeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft zum wiederholten Male stärker zugelegt als in der Gesamtwirtschaft (2,1 Prozent). Zählt man auch die geringfügig Erwerbstätigen hinzu, waren im Jahr 2018 fast 1,7 Millionen Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt (Gesamterwerbstätige).

Bruttowertschöpfung entwickelt sich weiterhin positiv

Auf Basis der im vorletzten Jahr neu etablierten Berechnungsmethode erreichte die Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland im Jahr 2018 schätzungsweise 100,5 Milliarden Euro. Das ist ein Anstieg von rund 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit dem Jahr 2009 ist die Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft kontinuierlich angestiegen (plus 40 Prozent). Der Anteil der Bruttowertschöpfung am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland liegt aktuell bei rund 3,0 Prozent.

Neugründungen auf dem Niveau des Vorjahres

Im vergangenen Jahr wurden in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland laut Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) etwa 9.500 Unternehmen neu gegründet. Die Anzahl der Neugründungen hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert und für den Zeitraum 2012 bis 2018 zeigt sich insgesamt ein fallender Trend. Die Gründungsdynamik in der Kultur- und Kreativwirtschaft unterscheidet sich deutlich nach Teilmärkten, wobei die Gründungstätigkeit stark auf vier Teilmärkte konzentriert ist, in denen fast drei Viertel aller neuen Unternehmen entstehen: der Software- und Games-Industrie, der Designwirtschaft, dem Werbemarkt und dem Architekturmarkt.

Mini-Selbständige in der Kultur- & Kreativwirtschaft

Bereits seit einigen Jahren hat sich in der Kultur- und Kreativwirtschaft, aber nicht nur dort, der Begriff der Mini-bzw. Soloselbständigen etabliert. Bei der konventionellen Beschäftigungsmessung in der Kultur- und Kreativwirtschaft werden diese Beschäftigungsverhältnisse nur teilweise über die geringfügig Tätigen erfasst. Als Mini-Selbständige werden im aktuellen Monitoringbericht Unternehmerinnen und Unternehmer bezeichnet, deren jährlicher Umsatz weniger als 17.500 Euro beträgt. Andere Kriterien, wie z.B. die Rechtsform des Unternehmens, spielen bei dieser Abgrenzung keine Rolle. Die Anzahl der Mini-Selbständigen in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland betrug 2018 geschätzte 340.000. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um ein Prozent. Generell steigt die Zahl an Mini-Selbständigen seit 2009 kontinuierlich an und ist in dem Zeitraum um 46.000 gestiegen. Innerhalb der Branche sind aktuell in der Designwirtschaft mit 17,5 Prozent die meisten Mini-Selbständigen zu finden. Gemessen an allen Selbständigen (regulär und Mini-Selbständige) beträgt in der Kultur- und Kreativwirtschaft der Anteil der Mini-Selbständigen 58,1 Prozent und liegt damit deutlich über dem vergleichbaren Wert in der Gesamtwirtschaft (49,2 Prozent).

Kultur- & Kreativwirtschaft im ländlichen Raum

Die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft verteilen sich anhand einer Analyse des MUP nicht gleichmäßig über Deutschland, sondern bilden regionale Cluster in und um urbane Ballungszentren. Wie auch bei weiten Teilen der deutschen Wirtschaft insgesamt, folgt die räumliche Verteilung der Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft grob der Verteilung der Bevölkerung: Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft siedeln sich in dichter besiedelten Regionen mit einer höheren lokalen Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen und einem höheren Arbeitsangebot an.

Für fast alle wirtschaftlichen Indikatoren nimmt die relative Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft im Zeitverlauf im ländlichen Raum ab. Während im Jahr 2009 noch 14,9 Prozent der Unternehmen dem ländlichen Raum zugerechnet wurden, liegt dieser Anteil für das Jahr 2017 bei nur noch 14,1 Prozent. Noch deutlicher zeigt sich diese Tendenz beim Umsatz. Wurden im Jahr 2009 noch 8,7 Prozent des Umsatzes der Kultur- und Kreativwirtschaft in ländlichen Gebieten erwirtschaftet, erreichte dieser Wert im Jahr 2017 nur 6,1 Prozent. Auch die Kernerwerbstätigenquote nimmt im Zeitverlauf von 9,6 Prozent im Jahr 2009 auf 8,3 Prozent im Jahr 2017 ab.

Eine im ersten Halbjahr 2019 durchgeführte Befragung bei Kultur- und Kreativschaffenden im ländlichen Raum zeigt, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft in ländlichen Gebieten die eigene Sichtbarkeit nur selten positiv beurteilt. Lediglich knapp neun Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass die Branche an ihrem Standort von der Regionalpolitik als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird oder für potenzielle Kunden gut sichtbar ist. Auch hinsichtlich der Sichtbarkeit des Innovationpotenzials der Kultur- und Kreativwirtschaft und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur im ländlichen Raum sehen die Unternehmen deutlichen Verbesserungsspielraum.

Quelle: Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft 2019. Kurzfassung. BMWi (Hrsg.) 2019