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15.12.2021 -

„Toll ist auch die mediale Aufmerksamkeit, die wir über die beiden Hamburger Förderinitiativen erhalten haben.“ Interview mit der Musikwissenschaftlerin Agnes Chung, Co-Gründerin von musicube.

Einleitung

David Hoga und Agnes Chung

© musicube GmbH

Die Suche nach Musikstücken mit Hilfe Künstlicher Intelligenz revolutionieren. Das ist das Ziel von Agnes Chung und David Hoga. Beide haben Musikwissenschaften und Informatik studiert. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit in der Musikbranche haben sie im Dezember 2019 ihr Start-up musicube gegründet. Erste Kundinnen und Kunden aus der Musikbranche sowie Investoren sind bereits an Bord.

Chung: Mein Kollege David Hoga und ich sind von Haus aus Musikwissenschaftler und haben eine ganze Weile für die Musikindustrie im Bereich Datenservice gearbeitet. Dabei haben wir festgestellt, dass es zu den vielen Musikstücken eine unglaublich große Fülle an Daten gibt, sei es die Tonart, das Genre, Art und Höhe der Gesangsstimmen, die Instrumente, die daran beteiligt sind, usw. Trotzdem schlagen die bekannten Streamingdienste ihren Userinnen und Usern eigentlich immer die gleichen Songs vor, basierend auf den Hörgewohnheiten anderer, die den einen Song auch gehört haben. Da gibt es wenig links und rechts davon. Wir haben uns also die Frage gestellt, wie man als Musikhörerin und -hörer raus aus seiner Blase kommt und wirklich neue Musik entdecken kann.

Chung: Die Antwort sieht so aus, dass wir mit Hilfe Künstlicher Intelligenz auf der Basis von Metadaten Musikempfehlungen geben können, die genau zum Suchprofil des Users passen. Bei den Metadaten handelt es sich um deskriptive Daten, die einen Song identifizieren. Auf diese Weise lassen sich große Informationsmengen besser verwalten. Darüber hinaus sind Metadaten maschinell lesbar und auswertbar, so dass man KI-Systeme damit „füttern“ kann. Inzwischen haben wir eine Datenbank mit über 44 Millionen Songs aufgebaut.

Im Ergebnis kann unsere Anwendung zum Beispiel in das Suchsystem eines Streaming-Services integriert werden. Der User sucht dort beispielsweise für ein italienisches Dinner mit Freunden italienische Popmusik mit einer Frauenstimme. Der Streaming-Service zeigt dann mit Hilfe unserer Technologie eine Playlist an, die genau diese Musik beinhaltet. Das ist die Idee dahinter.

Chung: Ja, wir richten uns an Streaming-Services, Labels, Musikverlage, Musikagenturen oder auch Promotion-Agenturen. Kurz: An alle, die in unterschiedlichen Kontexten nach Musikstücken suchen. Denen wollen wir unsere Musiksuche anbieten.

Chung: Die Entwicklung findet bei uns im Haus statt. Mein Kollege David Hoga und ich sind zwar Musikwissenschaftler, wir haben aber darüber hinaus im Nebenfach Informatik studiert. Außerdem haben wir zwei KI-Spezialisten, Data-Analysten und Software-Entwickler an Bord. Wir sind insgesamt zu acht in unserem Start-up und werden dabei noch von einem Designer und einer Expertin für User Experience extern unterstützt.

Chung: Was immer gut läuft, ist das eigene Netzwerk. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass selbst, wenn ich mit jemandem spreche, der keinen konkreten Bedarf an unserer Anwendung hat, der- oder diejenige meistens irgendjemanden kennt, der vielleicht Interesse daran hat. Und so spinnt sich das dann immer weiter.

Geholfen haben uns da auch die Förderprogramme von nextMedia.Hamburg und NMA Venture Capital GmbH (NMA.VC). Das sind zwei Initiativen hier in Hamburg, mit denen wir unser Netzwerk in Richtung Medienwelt ausbauen konnten. next.Media ist vor allem für die Frühphase sehr hilfreich. Selbst wenn man erstmal nur so eine Idee hat, erhält man schon eine Menge Rüstzeug, zum Beispiel, worauf man bei der Gesprächsführung mit Geschäftspartnerinnen und -partnern achten muss oder wie man am besten vor Investorinnen und Investoren pitcht. Wir haben darüber hinaus Zugang zu dem weit verzweigten next.Media- sowie NMA.VC-Netzwerk bekommen. Wirklich toll ist aber auch die mediale Aufmerksamkeit, die wir über beide Initiativen erhalten haben.

Chung: Die Finanzierung und die Kundenakquise sind immer eine Herausforderung. Wir hatten einen guten Start mit ein paar Auftraggebern. Darunter war auch SONY Music. Außerdem haben wir Investoren an Bord, über die wir uns derzeit hauptsächlich finanzieren. Das ist aktuell ein ganz guter Mix, aber man muss am Ball bleiben und weiter nach Kunden und Investoren Ausschau halten.

Chung: Das sind zum einen die NMA.VC und zum anderen die Hamburgische Investitions- und Förderbank mit ihrem InnoRampUp, einem Support-Programm für technische Innovationen. Darüber haben wir beispielsweise unseren Investor Holger Hübner kennen gelernt, einer der Gründer des Wacken-Festivals.

Chung: Ja, wir haben bewusst vieles auf Englisch bei uns gehalten und außerdem eine Zusammenarbeit mit einem US-amerikanischen Berater vereinbart, der sich mit der dortigen Musikindustrie auskennt. Nach und nach werden wir dann unsere Internationalisierung vorantreiben und außer den USA noch andere Länder ins Visier nehmen.

Chung: Durchhalten! Gerade am Anfang, wenn man mit seiner Idee vielleicht noch hausieren geht und das Geschäft noch nicht läuft. Da würde ich immer sagen: Bleibt dran. Traut euch das zu.

Wichtig ist auch, sich treu zu bleiben, gerade am Anfang, wo Anerkennung und Ablehnung immer wieder miteinander Ping-Pong spielen. Der eine findet die Idee super, der andere kann damit nichts anfangen. Da darf man sich nicht aus dem Konzept bringen lassen und sich auch nicht klein machen.

Stand: November 2021