Autorinnen und Autoren, Architektinnen und Architekten, Künstlerinnen und Künstler: Die meisten Kultur- und Kreativberufe gehören zu den freien Berufen. Wer allerdings einen Verlag, eine Galerie, eine Werbeagentur gründet oder Computerspiele entwickelt, gehört - in der Regel - zu den Gewerbetreibenden. Warum ist dieser Unterschied überhaupt wichtig? Weil er in puncto Anmeldung, Steuern und Sozialversicherung eine große Rolle spielt.

Die wichtigsten Unterschiede

Freier BerufGewerbe
AnmeldungSteuernummer beim Finanzamt beantragen (bis zu vier Wochen nach Aufnahme der Tätigkeit)Gewerbeamt (informiert alle weiteren Behörden u. Kammern)
Pflicht-MitgliedschaftJe nach Beruf bzw. Tätigkeit in berufsständischen Kammern (z.B. Architektenkammer) und Berufsgenossenschaft (z.B. BG Druck und Papier für Fotojournalisten)Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer
SteuernKeine Gewerbesteuer
Ermäßigter Umsatzsteuersatz (7 %) für Künstler/-innen und Publizisten/Publizistinnen
Gewerbesteuer
Umsatzsteuersatz i.d.R. 19 %
Persönliche AbsicherungPflichtversicherung für Künstler/-innen und Publizisten/Publizistinnen in Künstlersozialversicherung; z.T. Pflichtversicherung in berufsständischen VersorgungswerkenPflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung je nach Tätigkeit und Vorschriften des Sozialgesetzbuches (SGB VI § 2)
VersicherungenJe nach Tätigkeit, z.B. BerufshaftpflichtversicherungJe nach Tätigkeit, z.B. Berufshaftpflichtversicherung

Wer entscheidet?

Im Zweifelsfall entscheidet das Finanzamt darüber, ob Sie eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit ausüben. Gerade im kunsthandwerklichen Bereich, in der Fotografie oder auch im Webdesign kommt es häufig zu unterschiedlichen Einschätzungen. Die Abgrenzung ist nicht immer einfach. Als Faustregel gilt: Je höher der Gebrauchswert der künstlerischen Produkte, desto eher handelt es sich um ein Gewerbe oder Handwerk. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Informieren Sie sich dazu am besten beim Institut für Freie Berufe, Ihrem Berufsverband oder einem Steuerberater.

Übrigens: Nicht der Berufsabschluss entscheidet darüber, ob Sie Freiberufler/-in oder Gewerbetreibende/-r sind, sondern Ihre Tätigkeit. Wenn Sie also als Textildesigner/-in hauptsächlich Mode von anderen Designer/-innen verkaufen oder als Architektin oder Architekt ein Bauunternehmen gründen, sind Sie Gewerbetreibende/-r. Schon allein, um Gewerbesteuernachzahlungen zu vermeiden, sollten Sie sich frühzeitig darüber informieren, welchen Status Sie haben.

Tatsächlich selbständig?

Ob Sie tatsächlich selbständig sind oder nicht, hat nicht zuletzt auch Folgen für Ihre Auftraggeber. Stellt sich nämlich heraus, dass Sie ausschließlich für einen Auftraggeber tätig sind, kann die gesetzliche Rentenversicherung rückwirkend Sozialversicherungsbeiträge von ihm verlangen. Aber: Journalist/-innen, Autor/-innen, Bildhauer/-innen, Fotograf/-innen, Komponist/-innen oder Übersetzer/-innen und eine Reihe anderer Berufsgruppen gelten auch dann als selbständig, wenn sie z. B. für verschiedene Produktionen - auch bei nur einem Auftraggeber - jeweils einzelne Verträge abschließen. Dennoch: Sollten Sie sich nicht im Klaren darüber sein, ob Sie tatsächlich selbständig oder eher abhängig beschäftigt bzw. scheinselbständig sind, wenden Sie sich an die Deutsche Rentenversicherung Bund und beantragen Sie ein Statusfeststellungsverfahren.