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13.01.2022 -

„Entscheidend ist dieses Ins-Machen-Kommen“ Interview mit Lea L. Hofmann und Jennifer J. Graf, Gründerinnen des intergalaktischen Design Kollektivs TikeTike.

Einleitung

Lea L. Hofmann und Jennifer J. Graf

Lea L. Hofmann und Jennifer J. Graf

© Joshua Gräber

Für jedes Projekt das passende Team. Darauf setzen die Kommunikationsdesignerin Jennifer Graf und die Produktionsdesignerin Lea Hofmann. Ihr 2019 gegründetes intergalaktisches Design Kollektiv TikeTike kooperiert in jeweils wechselnder Besetzung mit zahlreichen Selbständigen aus der Kreativwirtschaft. Bei ihren ersten Gründungsschritten wurden die beiden Designerinnen von Dock11, der Plattform zur Vernetzung und Förderung der saarländischen Kreativwirtschaft, unterstützt.

Hofmann: Ich denke, der größte Unterschied zu anderen Design- bzw. Werbeagenturen ist, dass wir unser Team je nach Projekt immer wieder neu mit Selbständigen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Sparten zusammenstellen. Dazu bewegen wir uns in einem Verbund von selbständigen Kreativen, die im Bereich Software, Fotografie, Illustration, Architektur, Modedesign, aber auch Tischlerei tätig sind.

Graf: Wobei das Kernteam aus Jennifer und mir besteht. Wir sind auch diejenigen, die die Verantwortung für den Auftrag tragen und den Kundinnen und Kunden gegenüber als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung stehen.

Graf: Ja. Unser Angebotsspektrum ist größer als das einer klassischen Design- oder Werbeagentur, weil wir je nach Auftrag, das passende Team zusammenstellen können. Nur um mal ein paar Beispiele zu nennen: Wir haben in den letzten beiden Jahren ein Großraumbüro konzeptionell umgestaltet, haben die Homepage für ein Theater konzipiert, Ausstellungsbroschüren und Plakate für eine Galerie entworfen und erstellt und Workshops für Kids durchgeführt. Darüber hinaus haben wir im Charity-Bereich Kampagnen betreut.

Hofmann: Wir sind sehr froh darüber, dass wir in den zweieinhalb Jahren unserer Selbständigkeit noch nie kalt akquirieren mussten. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass wir anfangs fast jeden Auftrag übernommen haben, den wir kriegen konnten, es sei denn er ist unseren ethischen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Wir haben also relativ viele Charity- und Low-Budget-Kulturprojekte umgesetzt oder auch mal Freunden geholfen. Aber aus all diesen kleinen Aufträgen haben sich dann meistens größere Projekte entwickelt.

Hofmann: Die Arbeit im Backoffice finden wir beide ganz furchtbar. Wir haben wenig Lust, Rechnungen zu schreiben, uns um Steuern oder anderen Bürokram zu kümmern.

Unser großes Ziel ist daher, endlich so viel Geld zu verdienen, dass wir uns eine Angestellte leisten können, die uns genau das abnimmt.

Graf: Ja, wir schließen Verträge, um zu vereinbaren, wer wie viel verdient und mit welchem Auftrag. Zum Glück gibt es aber zum Thema Vertragsgestaltung gerade für Kreative eine ganze Reihe von Informationsangeboten. Dock 11 bietet hier im Saarland zum Beispiel jeweils eine kostenfreie Beratungsstunde bei einer Anwältin oder einem Anwalt an. Die Gelegenheit haben wir natürlich genutzt.

Graf: Das können wir mit Ja beantworten. Klar: Besser laufen könnte es immer, aber man muss auch sehen, dass die ganze Kulturszene - und nicht nur die - zwei schwere Jahre hinter sich hat. Bei uns lief es aber trotz Corona ganz gut. Wir hatten viel zu tun, weil sich viele unserer Kundinnen und Kunden stärker im digitalen Bereich aufstellen wollten.

Wie kalkulieren Sie Ihr Honorar?

Hofmann: Es gibt verschiedene Honorarsätze für Designarbeiten, zum Beispiel für die Konzeption, die Umsetzung oder auch für Korrekturphasen. Die Honorarsätze kann man nachschlagen. Das ist ganz übersichtlich und spielt für uns auch eine sehr wichtige Rolle, weil wir uns als Designerinnen oder Kreative nicht unter Wert verkaufen möchten.

Graf: In Sachen Honorar sind wir mittlerweile recht standhaft, auch wenn es ein harter Weg war. Aber man muss sich einfach klarmachen, was man mit seinem Stundenlohn bezahlen muss. Nämlich alles! Ob Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Ausfälle bei Krankheit oder vielleicht auch mal ein Urlaub.

Hofmann: Wie schon gesagt, ist es gerade am Anfang sicherlich ganz sinnvoll, auch mal Aufträge anzunehmen, die einen vielleicht auf den ersten Blick nicht so ansprechen. Aber ich denke, es ist wichtig, möglichst viele Erfahrungen zu sammeln. Natürlich muss das Geld dabei stimmen, aber der Gedanke daran, muss nicht immer im Vordergrund stehen.

Graf: Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Im Team muss es mindestens eine Person geben, mit der man sich austauschen kann. Das ist so viel wert, gerade wenn man vor großen Projekten steht und nicht weiß, ob man sich das zutrauen kann.

Hofmann: Ja, das sehe ich auch so. Außerdem: Weg vom Perfektionismus. Es muss nicht alles super perfekt sein, vor allem, wenn man gerade erst mit der Selbständigkeit anfängt. Als wir damals unser Atelier renoviert haben, war uns gar nicht klar, dass wir einmal Vollzeit als Selbstständige arbeiten werden. Aber wir hatten einfach so einen Tatendrang. Ich glaube, das ist entscheidend: dieses Ins-Machen-Kommen.

Dezember 2021